peinlich, wenn er weint
Eine Halle voll glänzend schwarzer Geräte, rote Wände, Neonlicht. Einer der Fitnesstrainer schmunzelt, als er hört, dass ich für mein Projekt auf der Suche nach «Alpha Males» bin. «Komm anfangs Woche zwischen sechs und acht Uhr abends wieder, da ist die Dichte besonders hoch», meint er, denn es ginge vielen «Alphas» ja auch darum, beim Trainieren gesehen zu werden. Ihm geht das primitive Verhalten einzelner Gymgäste schon auf den Keks: «Manche kommen hier einfach rein, gehen wieder raus und ich sehe denen an: Da ist mental nix passiert.»
In der Nähe der Spiegelwand entdecke ich nach ein paar Tagen eine Frau: Dominique trainiert in ihrem schneeweissen Trainingsoutfit Beine. Ich frage, ob ich sie zeichnen darf. «Süss von dir, ja sicher». Sie hat einen breiten sächsischen Dialekt, hört beim Trainieren Techno und morgen hat sie Geburtstag. Auf meine Frage, was sie sieht, wenn sie in den Spiegel schaut, antwortet sie: «No ja, wenn isch misch so angugg, denk isch schonn, jo, das ka mer machn».
Gezeichnete Reportage, 2025
Gezeichnete Reportage, 2025
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